Grundwissen Elektromobilität
Technisches Grundwissen für das Laden von Elektroautos
Autor: Susanne Rothe | Aktualisiert am: 24.3.2026 | Lesezeit: 5 Minuten
Das Wesentliche in Kürze:
- Ladeleistung und Ladezeit lassen sich einfach selbst berechnen: Entscheidend sind Phasenanzahl, Spannung und Stromstärke. Die Ladezeit ergibt sich aus Batteriekapazität ÷ Ladeleistung × 1,3.
- Reichweite ist ein theoretischer Wert und hängt stark vom Fahrverhalten ab: Faktoren wie Heizung, Klima, Geschwindigkeit und nutzbare Batteriekapazität beeinflussen die tatsächliche Reichweite deutlich.
- AC- und DC-Laden unterscheiden sich grundlegend – ebenso die Steckertypen: AC-Laden erfolgt über den Fahrzeug-Gleichrichter, DC-Laden über die Station und ermöglicht deutlich höhere Ladeleistungen.
Wie berechne ich die Ladeleistung eines Elektroautos?
Zur Berechnung der Ladeleistung benötigen Sie folgende Informationen:
- die Anzahl der Phasen (ein- oder dreiphasig)
- die Spannung Ihres Stromanschlusses für die Ladestation
- die Stromstärke Ihres Stromanschlusses für die Ladestation
Außerdem spielt bei einem dreiphasigen Anschluss die Art, wie die Ladestation an das Netz angeschlossen ist, eine Rolle. Sollte bspw. eine Stern- oder Dreieckschaltung vorliegen, beträgt die Spannung 230 oder 400 Volt.
So berechnet man die Ladeleistung:
Ladeleistung = Spannung (V) x Stromstärke (A) x Anzahl der Phasen
Beispielrechnungen:
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Laden an einem Haushaltsanschluss
Spannung: 230 V
Stromstärke: 16 A
Phasen: 1
230 (V) x 16 (A) x 1 = 3,68 kW
Laden an einer Wallbox mit 11 kW
Spannung: 230 V
Stromstärke: 16 A
Phasen: 3
230 (V) x 16 (A) x 3 = 11,04 kW
Wichtige Hinweise:
Die maximale Ladeleistung wird immer durch das schwächste Glied begrenzt: Auto, Ladestation oder Netzanschluss.
Bei DC‑Schnellladern entfällt die Phasenberechnung – hier gibt die Station direkt die Ladeleistung vor (z. B. 50 kW, 150 kW, 300 kW).
Die reale Ladeleistung kann schwanken, z. B. wegen Batterietemperatur oder Ladekurve.
Wie berechne ich die Ladezeiten eines Elektroautos?
Auch die Ladezeit Ihres Elektroautos können Sie ganz schnell selbst berechnen. Dafür müssen Sie lediglich die Kapazität der Batterie durch die Ladeleistung des E-Autos teilen.
Wichtige Einflussfaktoren
Ladekurve: Die Leistung sinkt bei höherem Akkustand ab (besonders bei DC‑Schnellladung).
Temperatur: Kalte oder sehr warme Akkus laden langsamer.
Fahrzeuglimit: Manche Autos können AC nur mit 7,4 kW oder 11 kW laden – selbst wenn die Wallbox mehr könnte.
Ladezustand: Von 10 % auf 80 % geht meist deutlich schneller als von 80 % auf 100 %.
Da während des Ladevorgangs die Ladeleistung nicht konstant ist, sollten Sie bei Ihrer Berechnung den Multiplikator von 1,3 aufschlagen.
Beträgt also bspw. die Batteriekapazität 50,0 kWh und die Ladeleistung 11 kW, ergibt dies nach obiger Formel eine Ladezeit von circa 6 Stunden.
Reichweite von Elektroautos
Die Reichweite Ihres Elektroautos können Sie ebenfalls selbst ermitteln. Dafür verwenden Sie folgende Formel:
Wenn Ihre Batteriekapazität also 50,0 kWh und der Energieverbrauch 16 kWh pro 100 km beträgt, erhalten Sie eine Reichweite von rund 312 Kilometern.
Unterschied zwischen AC-Laden und DC-Laden
Prinzipiell wird zwischen zwei Ladearten unterschieden: AC-Laden und DC-Laden.
Es wird vom AC-Laden gesprochen, wenn der im Fahrzeug eingebaute Gleichrichter die Umwandlung des Stroms übernimmt. Dabei wird der öffentliche Wechselstrom in den benötigten Gleichstrom umgewandelt.
Beim DC-Laden hingegen wird der Wechselstrom außerhalb des Fahrzeugs in Gleichstrom umgewandelt. Dies kann bspw. in der Ladestation erfolgen. Das DC-Laden ermöglicht eine höhere Leistung, wodurch sich Ladevorgänge erheblich verkürzen.
Welche Steckertypen für Elektroautos gibt es?
Typ 2-Stecker (EU-Standard)
Der Typ 2-Stecker ist für dreiphasiges Laden konzipiert und in Europa Standard. Öffentliche AC-Ladestationen sind mit Typ 2-Steckdosen mit 22 kW (400 V, 32 A) ausgestattet.
Eine optimierte Version des Typ 2-Steckers (auch Mennekes-Stecker genannt) verwendet auch der Automobilhersteller Tesla an seinen Superchargern in Europa.
Combo-Stecker
Der Combo-Stecker (Combined Charging System CCS) ist eine Ergänzung des Typ 2-Steckers mit 2 zusätzlichen Kontakten für DC (Gleichstrom)-Laden an öffentlichen Stationen mit bis zu 350 kW (High-Power-Charging).
CHAdeMO-Stecker
Der CHAdeMO-Stecker ist ein asiatischer Standard für DC (Gleichstrom)-Laden (Schnellladesystem) und erlaubt Ladevorgänge mit bis zu 100 kW. An öffentlichen Ladestationen in Deutschland steht der CHAdeMO-Standard meist mit einer Leistung von 50 kW zur Verfügung.
Typ 1-Stecker
Hierbei handelt es sich um einen einphasigen Stecker, der Ladeleistungen bis zu 7,4 kW (230 V, 32 A) erlaubt. Der Typ 1-Stecker wird vor allem bei Elektroautos aus dem asiatischen Raum verwendet. An öffentlichen Ladestationen in Europa ist dieser Steckertyp nur im Ausnahmefall vorzufinden.